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Grenadier-RS: Meine Erfahrungen aus vier Wochen in Isone

Grenadier-RS in Isone aus erster Hand: Vorgesetzte, Alltag, Kameradschaft, warum ich nach vier Wochen gewechselt habe und fünf Tipps für deinen Versuch.

Leandro FerrariPubliziert am 16. September 2026Aktualisiert am 19. September 20267 Min. Lesezeit

Ich habe die ersten vier Wochen meiner Militärkarriere bei den Grenadieren in Isone verbracht und dann die Funktion gewechselt. Die kurze Version: Körperlich war Isone für mich machbar, mental nicht. Nicht der Schlafmangel hat mich fertiggemacht, sondern der permanente Druck, ein Umgangston, auf den ich nicht vorbereitet war, und die Ungewissheit, nie zu wissen, was als Nächstes kommt. Wer das vorher weiss und bewusst akzeptiert, hat es deutlich einfacher, und genau deshalb schreibe ich diesen Bericht. Hier ist, wie es wirklich war: der Ort, die Vorgesetzten, die Kameradschaft, der Alltag, warum ich gegangen bin und was ich jedem rate, der nach Isone will.

Wie ich Grenadier wurde

An der Rekrutierung habe ich das Sportabzeichen geholt und wurde als Grenadier ausgehoben. Die zweitägige Eignungsprüfung kann man vorher separat in Isone machen oder direkt vor Ort; ich habe sie nicht vorher gemacht. Im Nachhinein ist das der erste Fehler, den ich jedem ersparen möchte, dazu unten mehr. Eingerückt bin ich im Winter. Nach vier Wochen war für mich klar, dass das nicht meine Welt ist. Mein Weg ging dann über Airolo, die Unteroffiziersschule und die Offiziersschule weiter, bis heute in die Kommunikationsausbildung. Ich schreibe das also nicht als jemand, der die Armee hinter sich gelassen hat, sondern als jemand, der weiss, wie andere Rekrutenschulen laufen, und Isone damit vergleichen kann.

Der Ort: Isone

Isone ist ein Dorf im Tessin, in dem praktisch nur Militär ausgebildet wird. Es ist einer der wenigen Orte der Schweiz, an denen auch nachts geschossen wird, und die Ausbildung hat dort extrem viel Freiheit, um voll durchgezogen zu werden. Es gibt eine Turnhalle, eine sehr anspruchsvolle Hindernisbahn und mehrere Schiessplätze. Zu den Schiessplätzen wird gerannt, nicht gegangen. Rundherum Berge, auf die es morgens im Laufschritt geht. Im Winter ist es kalt, und spätestens wenn du den Rucksack aufsetzt, merkst du: Das ist kein Ferienlager, hier wird geschafft.

Die Vorgesetzten

Ganz ehrlich: Ich war erschrocken. Ich kannte so einen Umgang nicht. Nicht alle Vorgesetzten sind gleich, aber die, die ich erlebt habe, haben uns sehr stark von oben herab behandelt. Es fielen viele Wörter, die ich hier nicht wiederhole. Man hörte ständig, wie schlecht man ist, und nie, dass man etwas gut gemacht hat. Der Ton war sehr hart und sehr respektlos; in der Dusche wurde die Zeit gestoppt. Ich hatte Respekt vor den Vorgesetzten, aber noch viel mehr Angst vor ihnen. Dieses unmenschliche Gefühl, nichts wert zu sein, darauf war ich nicht vorbereitet, und es hat mich überfordert.

Wichtig für dich: Wenn du das weisst und akzeptierst, ist es sicher einfacher. Und ich verstehe heute, warum es so gemacht wird. Es wird selektioniert. Man muss testen, wer unter enormer Belastung funktioniert, weil es im Ernstfall genau solche Leute braucht.

Der Alltag

Beim Essen hatte man nicht viel Zeit, aber was auf den Tisch kam, war gut. Ich habe mich von Mahlzeit zu Mahlzeit gekämpft, vom Frühstück zum Mittag zum Nachtessen. Die paar Minuten Sitzen, Essen und kurz mit den anderen Reden waren mein Highlight am Tag, und sie waren für mich unfassbar wichtig.

Normalerweise gibt es im Militär den «Picasso», den Wochenplan an der Wand, auf dem du siehst, was kommt und warum. Bei den Grenadieren hängt der auch. Am Anfang ist er aber grösstenteils schwarz. Schwarz heisst: Du weisst nicht, was auf dich zukommt. Du kannst dich nicht mental darauf einstellen, du funktionierst einfach oder du funktionierst nicht. Diese Unsicherheit war für mich brutal und hat mich mehr ermüdet als alles andere.

Ein Beispiel, das hängen geblieben ist: Wir wurden morgens mit Heavy Metal geweckt, mit der Taschenlampe aus dem Bett geblendet, und danach gab es frühmorgens einen Mathetest. Nachdem das einmal passiert war, hatte ich abends beim Einschlafen Angst, dass es wieder passiert. Und es blieb nicht bei diesem einen Mal.

Körperlich: Auf dem Areal darf man nicht gehen, man rennt. Jede Ausbildung startet gefühlt mit einem Anstieg. Wer einen Fehler macht oder etwas vergessen hat, rennt ums Areal. Ich habe einige gesehen, die es körperlich nicht gepackt haben oder deren Verletzungen unter der Belastung schlimmer wurden. Bei mir war klar nicht der Körper das Problem, sondern der Kopf.

Die Kameradschaft

Ich habe später Kameradschaft in verschiedenen Funktionen und Schulen erlebt und kann darum sagen: In Isone ist sie am Anfang speziell. Es gibt extrem gute, kompetente Leute, die helfen. Und es gibt Leute, bei denen die Vorgesetzten sehr schnell hässig werden, wenn etwas nicht klappt. Für mich hat es sich in den ersten Wochen weniger wie Zusammenhalt angefühlt, sondern eher so, als würde jeder für sich versuchen, die ersten Wochen irgendwie zu überstehen. Ich bin mir sicher, dass die Kameradschaft in Isone am Ende unvergleichbar ist, gerade wegen der Höhen und Tiefen, durch die man zusammen geht. Am Anfang ist es aber noch relativ hart.

Warum ich gewechselt habe

Die mentale Belastung war der Hauptgrund. Nicht primär der Schlafmangel, sondern der Grundzustand: Stress, permanenter Druck und die Angst, etwas falsch zu machen. Dazu der Umgang der Vorgesetzten und die Ungewissheit. Ich war blockiert und überfordert, und irgendwann ging es nicht mehr.

Ich stehe Isone und den Leuten dort nicht negativ gegenüber. Ich habe grössten Respekt vor jedem, der das durchzieht, und noch mehr vor dem Kader, das nach 23 Wochen Rekrutenschule die Unteroffiziersschule und den praktischen Dienst anhängt. Was ich mir wünsche, ist, dass du mit mehr Informationen einrückst, als ich sie hatte.

Was ich jedem rate, der nach Isone will

  1. Mach die Eignungsprüfung vorher in Isone, nicht erst beim Einrücken. Du siehst den Ort, du siehst die Vorgesetzten, du erlebst die Umgangsart, die dort herrscht, und bist mental viel besser vorbereitet. Das ist mein wichtigster Tipp.
  2. Lerne die Grade, bevor du einrückst. Alles geht extrem schnell. Wer weiss, was ein Wachtmeister und was ein Leutnant macht und wie die Abzeichen aussehen, spart massiv Stress. Ich habe mich beim ersten Mal falsch angemeldet. Alle Grade: Gradabzeichen der Schweizer Armee.
  3. Trainiere mit Gewicht. Pack einen Rucksack mit 20 bis 30 Kilo, Steine oder Gewichtsplatten, egal, und renn damit einen Berg hoch. Mühsam, aber genau das kommt. Das Sportabzeichen allein sagt nichts darüber, ob du mit Last bergauf funktionierst. Grundlagen: Fitnesstest der Armee.
  4. Schiess vorher, wenn du kannst. Mit Sturmgewehr oder Pistole, und lerne die Waffe zerlegen und zusammensetzen. Der Jungschützenkurs ist dafür gratis: Militär-Vorkurse.
  5. Stell dich darauf ein, dass die ersten Wochen hart sind. Es wird selektioniert. Wer das erwartet, blockiert weniger, und wer blockiert, ist raus.

Die Fakten zur Grenadier-RS

Damit du meinen Bericht einordnen kannst, die offiziellen Eckdaten:

Grenadier/-in
Ort Ausbildungszentrum Spezialkräfte, Isone (TI)
Dauer RS 23 Wochen (159 Tage) statt 18
Diensttage total 280 (Soldat), 475 (Wachtmeister), 715 (Leutnant)
Voraussetzung zweitägige Eignungsprüfung in Isone: erweiterte medizinische Untersuchung, psychologische Abklärung, Sporttest, Theorie
Sporttest fünf Disziplinen im Tarnanzug: Liegestütze, dorsale und seitliche Rumpfkraft, Klimmzüge, 5-km-Lauf mit 20-kg-Rucksack in Stiefeln
Anforderungsprofil Sport 4 von 4, Miliz-Modell, kein Durchdienen
Beret sandfarben (Spezialkräfte)

Wer das Anforderungsprofil in den ersten Wochen nicht erfüllt, wird innerhalb des Kommandos Spezialkräfte umgeteilt. Das ganze offizielle Profil, die Sportdisziplinen im Detail und die häufigsten Fragen stehen auf der Funktionsseite Grenadier/-in.

Ist Grenadier das Richtige für dich?

Isone ist richtig für dich, wenn du Druck nicht nur aushältst, sondern darunter funktionierst, wenn du mit Ungewissheit leben kannst und wenn du bereit bist, dich in den ersten Wochen wie nichts wert zu fühlen und trotzdem weiterzumachen. Es ist nichts für dich, wenn du Anerkennung brauchst, um zu funktionieren, oder wenn du wie ich unter Unsicherheit blockierst. Beides ist keine Schwäche. Ich habe meinen Platz in einer anderen Funktion gefunden und dort bis zum Offizier weitergemacht, siehe Weitermachen in der Armee. Wenn du in der RS merkst, dass es nicht geht, gibt es geregelte Wege, keine Fluchtwege: RS abbrechen oder fraktionieren.

Und wenn du gehst: Ich habe Respekt vor dir. Wer nach Isone geht, ist körperlich für 90 Prozent von dem, was dort verlangt wird, längst fit. Der Rest entscheidet sich im Kopf.

Der Bericht beruht auf Leandro Ferraris eigenen vier Wochen in der Grenadier-RS und seinem Video «4 Wochen bei den Grenadieren: Meine härteste Zeit in der Armee». Offizielle Fakten: Ausbildungszentrum Spezialkräfte (vtg.admin.ch), Sporttest an der Eignungsprüfung für Grenadiere (Kdo Spezialkräfte, PDF), Arbeitshilfe «Regellaufbahnen», Schweizer Armee, Juli 2026. Stand September 2026.

Häufige Fragen

Wie hart ist die Grenadier-RS wirklich?

Körperlich machbar für alle, die das Sportabzeichen mitbringen. Hart ist die mentale Seite: permanenter Druck, ein sehr harter und respektloser Umgangston der Vorgesetzten, Ungewissheit über den Tagesablauf (der Wochenplan ist am Anfang weitgehend schwarz) und bewusste Selektion in den ersten Wochen.

Warum hat Leandro die Grenadiere nach vier Wochen verlassen?

Wegen der mentalen Belastung, nicht wegen des Körpers: Stress, permanenter Druck, die Angst, Fehler zu machen, und die Unsicherheit haben ihn blockiert. Er wechselte die Funktion, machte danach die Unteroffiziers- und die Offiziersschule und ist heute in der Kommunikationsausbildung.

Sollte ich die Grenadier-Eignungsprüfung vorher machen?

Ja. Die zweitägige Eignungsprüfung in Isone vor der RS zeigt dir Ort, Vorgesetzte und Umgangsart, und du rückst mental vorbereitet ein. Leandro hat sie nicht vorher gemacht und nennt das seinen wichtigsten Tipp.

Wie bereite ich mich körperlich auf Isone vor?

Mit Gewicht: 20 bis 30 Kilo im Rucksack und damit einen Berg hochrennen, denn auf dem Areal wird gerannt und jede Ausbildung beginnt mit einem Anstieg. Der offizielle Sporttest der Eignungsprüfung umfasst Liegestütze, dorsale und seitliche Rumpfkraft, Klimmzüge und einen 5-km-Lauf mit 20-kg-Rucksack in Stiefeln.

Wie lange dauert die Grenadier-RS und wo ist sie?

23 Wochen (159 Tage) am Ausbildungszentrum Spezialkräfte in Isone im Tessin, fünf Wochen länger als die Standard-RS. Grenadiere leisten insgesamt 280 Diensttage, als Wachtmeister 475, als Leutnant 715.

Was passiert, wenn ich die Anforderungen in Isone nicht erfülle?

In den ersten Wochen läuft ein Selektions- und Entwicklungsprozess. Wer das Grundanforderungsprofil charakterlich, psychisch oder physisch nicht erfüllt, wird innerhalb des Kommandos Spezialkräfte umgeteilt, nicht aus der Armee entlassen.

Leandro Ferrari in Tenue 90, Gotthardpass

Über den Autor

Leandro Ferrari

Ausgehoben als Grenadier, Einheitssanitäter in Airolo, Wachtmeister und Leutnant ganz abverdient, heute in der Kommunikationsausbildung. Armeekompass ist sein Projekt.

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