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Weitermachen in der Armee: UOS, Offiziersschule und was der Kaderweg kostet

Wachtmeister in gut zehn Monaten, Leutnant in gut sechzehn: Kader-RS, UOS, OS, Diensttage, Sold, EO und Ausbildungsgutschrift laut Regellaufbahnen 2026.

Leandro FerrariPubliziert am 16. September 2026Aktualisiert am 16. September 20267 Min. Lesezeit

«Willst du weitermachen?» ist die Frage, die dich in der RS irgendwann erreicht. Die kurze Version: Zum Wachtmeister brauchst du gut zehn Monate am Stück (17 Wochen Kader-RS, 6 Wochen Unteroffiziersschule, 19 Wochen praktischer Dienst), zum Leutnant gut sechzehn Monate (dazu 15 Wochen Offiziersschule und nochmals 19 Wochen praktischer Dienst). Ein Wachtmeister leistet insgesamt 440 Diensttage, ein Leutnant 680, ein Soldat 245. Dafür gibt es CHF 23 Soldzulage pro Tag, mindestens CHF 124 Erwerbsersatz pro Tag in den Kaderdiensten und eine Ausbildungsgutschrift von bis zu CHF 3'000 (Wachtmeister) oder CHF 10'600 (Leutnant) für eine zivile Weiterbildung. Alle Zahlen stammen aus der Arbeitshilfe «Regellaufbahnen» der Armee vom Juli 2026. Hier ist der komplette Weg, mit dem, was er dich kostet und was er dir bringt.

Der Kaderweg im Überblick

Laufbahn Ablauf Dauer am Stück Diensttage total
Soldat RS 18 Wochen (124 Tage), danach 6 WK 18 Wochen 245
Gruppenführer (Wachtmeister) Kader-RS 17 Wochen, UOS 6 Wochen, praktischer Dienst 19 Wochen gut 10 Monate 440
Einheitsfeldweibel oder Fourier (höherer Unteroffizier) Kader-RS 17 Wochen, UOS, praktischer Dienst als Wm 15 Wochen, Lehrgang 54 Tage, praktischer Dienst eine ganze RS gut 16 Monate 650
Zugführer (Leutnant) Kader-RS 17 Wochen, UOS 6 Wochen, praktischer Dienst als Wm 8 Wochen, OS 15 Wochen, praktischer Dienst 19 Wochen gut 16 Monate 680

Grenadiere und Fallschirmaufklärer leisten mehr: Ein Wachtmeister Grenadier kommt auf 475 Tage, ein Leutnant Grenadier auf 715, bei den Fallschirmaufklärern sind es 865 beziehungsweise 1'105 Tage. Durchdiener, die weitermachen, absolvieren die Beförderungsdienste in den normalen Kaderschulen und leisten den Rest auf Wunsch wieder am Stück (Wachtmeister Durchdiener: 484 Tage).

Wie der Vorschlag zustande kommt

Weitermachen kannst du nicht beantragen wie eine Verschiebung. Du brauchst den Vorschlag deines Kaders, und der entsteht in der RS aus deinen Qualifikationen und einem Gespräch. Wer weitermachen will, sagt es früh und zeigt es im Alltag: Zuverlässigkeit, Initiative, wie du mit Kameraden umgehst. Dein Fitnesstest-Resultat von der Rekrutierung hilft, entscheidet aber nicht.

Mit dem Vorschlag wechselst du nach der 17. RS-Woche direkt in die Unteroffiziersschule, eine Woche bevor die reguläre RS endet. Wer zum Zugführer will, bekommt den Offiziersvorschlag erst im praktischen Dienst als Wachtmeister, nach etwa sieben Wochen Abverdienen. Wer Einheitsfeldweibel oder Fourier werden will, verlässt den praktischen Dienst nach 14 Wochen und geht in den Lehrgang für höhere Unteroffiziere.

Grundsätzlich ist der Weg bis zum Offizier am Stück zu leisten. Aus dienstlichen Gründen kann er aufgeteilt werden, mit höchstens zwei Unterbrüchen. Für Studierende heisst das: Wer direkt nach der Matura einrückt, schafft den Wachtmeister im Zwischenjahr; der Leutnant braucht mehr Planung. Beachte die neuen RS-Startdaten ab 2027, sie verschieben den ganzen Kalender.

Die Unteroffiziersschule (UOS)

Die UOS dauert 40 Tage, also 6 Wochen, und findet in der Regel am Waffenplatz deiner Truppengattung statt. Die Infanterieschule 12 in Chur führt zum Beispiel zwei UOS pro Jahr, die Informatikschule 61 in Frauenfeld hat ihre eigene. Inhalt laut Armee: Menschenführung in Normal- und Krisenlagen, Führungs- und Stabstechnik, Ausbildungsmethodik und angewandte Militärwissenschaften, dazu Sprache und Fitness.

Die Beförderung zum Wachtmeister erfolgt am Ende der UOS. Danach kommt das, was die Armee «praktischer Dienst» nennt und alle «Abverdienen»: 19 Wochen als Gruppenführer in einer laufenden RS, inklusive einer Woche Kadervorkurs. Dort bildest du Rekruten aus, führst eine Gruppe von rund acht Leuten und lernst den Job unter Beobachtung. Wie das im Alltag aussieht und welche Fehler neue Wachtmeister machen, steht in den 61 Kader-Tipps.

Nach dem praktischen Dienst leisten Wachtmeister 6 Wiederholungskurse inklusive Kadervorkurse oder insgesamt 149 Tage in den Formationen. Mindestens sehr gut qualifizierte Wachtmeister können frühestens nach dem 2. WK zum Oberwachtmeister (Zugführerstellvertreter) befördert werden, das erhöht die Dienstpflicht um 10 Tage auf 450.

Die Offiziersschule (OS)

Die OS dauert 15 Wochen. Du kommst als Wachtmeister mit 8 Wochen praktischem Dienst dorthin, die Beförderung zum Leutnant erfolgt nach bestandener OS. Danach folgen 19 Wochen praktischer Dienst als Zugführer in einer RS, inklusive Kadervorkurs: Du führst einen Zug von 30 bis 40 Rekruten, planst ihre Ausbildung und trägst die Verantwortung dafür. Die Offiziersschulen sind pro Lehrverband organisiert, etwa die Infanterie-OS 10 in Liestal, die Panzer- und Artillerie-OS 22 in Thun, die FU-OS 30 in Bülach, die Logistik-OS 40 in Bern oder die OS der Luftwaffe in Emmen.

Die Beförderung zum Oberleutnant ist frühestens nach 3 Wiederholungskursen möglich und leistungsabhängig; leistungsunabhängig erfolgt sie nach 6 WK. Wer Einheitskommandant (Hauptmann) werden will, erhält den Vorschlag im 3. WK und absolviert den Führungslehrgang Einheit (26 Tage), einen technischen Lehrgang (5 bis 26 Tage) und nochmals 19 Wochen praktischen Dienst in einer RS. Hauptleute leisten ab der Beförderung maximal 240 Diensttage; ihre Militärdienstpflicht dauert bis Ende des Jahres, in dem sie 42 werden.

Was du in den Kaderdiensten verdienst

Drei Beträge kommen zusammen: Sold, Soldzulage und Erwerbsersatz (EO).

Soldat Wachtmeister Leutnant
Sold pro Tag CHF 7.50 CHF 11.50 CHF 17.50
Soldzulage in Kaderschule und praktischem Dienst keine CHF 23 CHF 23
EO pro Tag RS: CHF 69, WK: 80 % des Einkommens, mindestens CHF 69 mindestens CHF 124 in UOS und praktischem Dienst mindestens CHF 124 in OS und praktischem Dienst

Die Soldzulage von CHF 23 pro Tag gibt es in allen Kaderschulen, Kadervorkursen und praktischen Diensten vom Unteroffizier bis zum Leutnant. Für die Ausbildung zum Einheitskommandanten oder Führungsgehilfen Truppenkörper steigt sie auf CHF 80. Ab dem Grad Hauptmann wird keine Soldzulage mehr bezahlt.

Beim Erwerbsersatz zählt die Kategorie «Gradänderungsdienste» (Anwärterschule, Offizierslehrgang, praktischer Dienst): mindestens CHF 124 pro Tag statt der CHF 69 für Rekruten, höchstens CHF 220 Grundentschädigung, plus CHF 22 pro Kind. Wer vor dem Dienst gearbeitet hat, bekommt 80 Prozent des vordienstlichen Einkommens bis zum Maximum. Rechenbeispiel für den Wachtmeister-Weg ohne vordienstliches Einkommen: 6 Wochen UOS (42 Tage à CHF 124 EO, CHF 6 Sold, CHF 23 Zulage) plus 19 Wochen praktischer Dienst (133 Tage à CHF 124 EO, CHF 11.50 Sold, CHF 23 Zulage) ergeben rund CHF 27'500 brutto für die 25 Kaderwochen. Details zu Sold, EO und Arbeitgeber in Sold und EO im Militärdienst.

Die Ausbildungsgutschrift: bis zu CHF 11'300 für zivile Weiterbildung

Wer Kaderschule und praktischen Dienst erfolgreich abschliesst, hat Anspruch auf eine Ausbildungsgutschrift für eine berufsorientierte zivile Aus- oder Weiterbildung (Studien-, Schul-, Kurs- und Prüfungsgebühren an Schweizer Institutionen). Die Maximalbeträge pro erreichter Stufe:

Grad Ausbildungsgutschrift max.
Wachtmeister CHF 3'000
Fourier und Hauptfeldweibel CHF 10'100
Leutnant CHF 10'600
Hauptmann als Einheitskommandant CHF 11'300
Hauptmann, Major, Oberstleutnant (übrige) CHF 3'300
Adjutant Unteroffizier, Stabsadjutant CHF 3'300

Der Antrag läuft digital über den Dienstmanager, innert 12 Monaten nach Abschluss der zivilen Ausbildung, mit Rechnung, Zahlungsnachweis und Teilnahmebestätigung. Nicht gedeckt sind Unterkunft, Lebenshaltung, Reisen und Material. Dazu kommt das Zertifikat der Swiss-Leaders-Führungslehrgänge, mit dem die Armee die Führungsausbildung zivil anerkennen lässt.

Für wen sich Weitermachen lohnt (und für wen nicht)

Weitermachen lohnt sich, wenn du Führen lernen willst, bevor es im Beruf zählt, wenn dein Studium oder deine Lehre ein Zwischenjahr zulässt, und wenn dir das Geld und die Gutschrift die verlängerte Abwesenheit wert sind. Es lohnt sich nicht, wenn du es nur wegen des Drucks von oben machst: Der Kaderweg verlangt Präsenz über 10 bis 16 Monate, Verantwortung für Menschen und die Bereitschaft, im praktischen Dienst als Erster aufzustehen und als Letzter ins Bett zu gehen.

Was du sicher wissen solltest, bevor du zusagst: Die Ausbildung ist grundsätzlich am Stück zu leisten. Ein Abbruch nach der UOS ist keine Option, die du frei wählst; wer nicht mehr weiter kann, landet beim Truppenarzt oder in einem Gesuchsverfahren, siehe RS abbrechen oder fraktionieren. Und: Wachtmeister, Feldweibel und Leutnants bleiben länger dienstpflichtig als Soldaten, weil sie mehr Diensttage haben.

Fazit

Der Kaderweg ist ein klar definiertes Paket: 6 Wochen UOS und 19 Wochen praktischer Dienst für den Wachtmeister, dazu 15 Wochen OS und 19 weitere Wochen für den Leutnant. Du bezahlst mit Zeit (195 beziehungsweise 435 Diensttage mehr als ein Soldat) und bekommst dafür Führungserfahrung, deutlich mehr EO, eine Ausbildungsgutschrift bis CHF 10'600 und ein Zertifikat. Wer sich entscheidet, sollte es in der RS früh sagen und die Gradabzeichen kennen, die dann auf seiner Schulter landen: Alle Grade der Schweizer Armee erklärt.

Quellen: Arbeitshilfe 40.100 d «Regellaufbahnen», Schweizer Armee, PDF vom 4. Juli 2026, armee.ch: Führungserfahrung, armee.ch: Sold, armee.ch: Soldzulage, armee.ch: Erwerbsersatz, armee.ch: Ausbildungsgutschrift, armee.ch: Rekrutenschulen (Adressverzeichnis), Kanton Aargau: Orientierungstag-Nachschlagewerk. Stand September 2026.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Unteroffiziersschule (UOS)?

40 Tage, also 6 Wochen. Du trittst nach der 17. RS-Woche direkt über, wirst am Ende der UOS zum Wachtmeister befördert und leistest danach 19 Wochen praktischen Dienst als Gruppenführer in einer RS. Der ganze Weg zum Wachtmeister dauert gut zehn Monate und 440 Diensttage.

Wie lange dauert die Offiziersschule (OS)?

15 Wochen. Vorher brauchst du die Kader-RS (17 Wochen), die UOS (6 Wochen) und 8 Wochen praktischen Dienst als Wachtmeister; danach folgen 19 Wochen praktischer Dienst als Zugführer. Total 680 Diensttage für Leutnants.

Was verdient man in der UOS und OS?

Sold nach Grad (Wachtmeister CHF 11.50, Leutnant CHF 17.50 pro Tag), eine Soldzulage von CHF 23 pro Tag in allen Kaderschulen und praktischen Diensten sowie Erwerbsersatz von mindestens CHF 124 pro Tag (statt CHF 69 in der RS), höchstens CHF 220 Grundentschädigung.

Wie hoch ist die Ausbildungsgutschrift?

Maximal CHF 3'000 für Wachtmeister, CHF 10'100 für Fourier und Hauptfeldweibel, CHF 10'600 für Leutnants und CHF 11'300 für Hauptleute als Einheitskommandanten, für berufsorientierte zivile Aus- und Weiterbildung. Antrag über den Dienstmanager innert 12 Monaten nach Abschluss der Ausbildung.

Wie viele Diensttage hat ein Wachtmeister, ein Leutnant?

Wachtmeister 440 Tage (Grenadier 475, Fallschirmaufklärer 865, Durchdiener 484), Leutnant 680 Tage (Grenadier 715, Fallschirmaufklärer 1'105, Durchdiener 666), Einheitsfeldweibel und Fourier 650 Tage. Ein Soldat leistet 245 Tage.

Kann ich als Durchdiener weitermachen?

Ja. Durchdiener mit Kadervorschlag leisten eine RS von 17 Wochen, dann die UOS in den normalen Kaderschulen und können den Rest auf Wunsch wieder am Stück leisten. Ein Wachtmeister Durchdiener kommt auf 484 Diensttage.

Muss ich weitermachen, wenn ich den Vorschlag bekomme?

Der Vorschlag ist eine Empfehlung deines Kaders; entscheiden musst du selbst. Wer zusagt, sollte wissen, dass die Ausbildung grundsätzlich am Stück zu leisten ist und aus dienstlichen Gründen mit höchstens zwei Unterbrüchen aufgeteilt werden kann.

Leandro Ferrari in Tenue 90, Gotthardpass

Über den Autor

Leandro Ferrari

Ausgehoben als Grenadier, Einheitssanitäter in Airolo, Wachtmeister und Leutnant ganz abverdient, heute in der Kommunikationsausbildung. Armeekompass ist sein Projekt.

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